Altersvorsorgereform 2027: Der Rahmen steht bereits, die Produkte kommen noch
Zum 01.01.2027 soll die neue Altersvorsorgereform an den Start gehen. Selten wurde in den vergangenen Jahren so intensiv über die Zukunft der privaten Altersvorsorge diskutiert. Während einige bereits auf die neuen Lösungen warten, fragen sich andere, ob sie bestehende Verträge anpassen oder mit ihrer Altersvorsorge sogar noch warten sollten. Meine Empfehlung lautet aktuell:
Ruhe bewahren und die Entwicklung aufmerksam verfolgen.
Denn die wesentlichen Rahmenbedingungen der Reform stehen bereits fest. Was heute noch fehlt, sind die konkreten Produkte der einzelnen Anbieter. Genau deshalb besteht aktuell kein Grund für Aktionismus.
Drei Produktwelten sollen künftig bei den meisten Anbietern wohl zur Auswahl stehen.
Nach aktuellem Stand wird die neue Altersvorsorge künftig aus drei unterschiedlichen Produktwelten bestehen. Dadurch sollen Anleger entsprechend ihrer individuellen Risikobereitschaft und ihrer persönlichen Ziele entscheiden können.
1. Das Standarddepot
Das Standarddepot ist die vom Gesetzgeber vorgegebene Basislösung. Hier gelten besonders strenge Regeln:
- keine Garantie
- lediglich zwei vorgegebene Fonds
- gesetzlicher Kostendeckel von maximal 1 %
- voraussichtlich nur digital abschließbar
Auf den ersten Blick klingt das attraktiv. In der Praxis könnte diese Variante jedoch nicht für jeden Anleger die optimale Lösung sein. Der Grund: Aktuell ist vorgesehen, dass nur zwei Fonds zur Auswahl stehen. Ein Fonds soll eher sicherheitsorientiert sein, der andere stärker auf Aktien setzen. Viele Anleger entscheiden sich erfahrungsgemäß für eine Mischlösung und verteilen ihr Kapital beispielsweise auf beide Fonds. Dadurch entsteht jedoch eine Herausforderung:
2. Das Altersvorsorgedepot
Für viele Anleger dürfte das Altersvorsorgedepot die spannendste Variante werden. Hier wird vollständig auf Garantien verzichtet. Im Gegenzug soll eine deutlich breitere Fondsauswahl zur Verfügung stehen. Dadurch können Anleger ihre Altersvorsorge wesentlich individueller gestalten und langfristig stärker von den Chancen der Kapitalmärkte profitieren. Gerade für jüngere Menschen oder Anleger mit einem langen Anlagehorizont könnte dieses Modell besonders interessant sein. Viele Anbieter, darunter voraussichtlich auch die großen Marktteilnehmer, arbeiten bereits intensiv an entsprechenden Konzepten.
3. Der Altersvorsorgevertrag
Zusätzlich soll es weiterhin einen klassischen Altersvorsorgevertrag geben. Dieser soll Kapitalmarktchancen mit einem gewissen Sicherheitsniveau verbinden. Aktuell ist vorgesehen, dass mindestens 80 % der eingezahlten Beiträge garantiert werden. Gleichzeitig erfolgt die Anlage über Fonds. Die Fondsauswahl dürfte größer sein als beim Standarddepot, aber begrenzter als beim Altersvorsorgedepot. Dadurch entsteht eine Zwischenlösung für Menschen, die Renditechancen nutzen möchten, aber nicht vollständig auf Garantien verzichten wollen.
Die staatliche Förderung wird deutlich attraktiver
Für viele Verbraucher ist die Förderung vermutlich der spannendste Teil der Reform. Nach aktuellem Stand soll die staatliche Unterstützung deutlich ausgebaut werden.
Förderung auf eigene Beiträge
Geplant ist:
- 50 % Förderung auf die ersten 360 € Eigenbeitrag
- 25 % Förderung auf den Eigenbeitrag zwischen 360 € und 1.800 € jährlich
➡️ Insgesamt können dadurch bis zu 540 € staatliche Grundförderung pro Jahr entstehen. Allein diese Förderung sorgt dafür, dass die neue Altersvorsorge deutlich attraktiver werden könnte als viele aktuelle Fördermodelle.
KinderzulageAuch Familien sollen profitieren. Nach aktueller Planung beträgt die Kinderzulage:
➡️ 300 € je Kind und Jahr
Gerade Familien gehören damit zu den potenziell größten Gewinnern der Reform.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Eine der häufigsten Fragen lautet aktuell: „Was passiert eigentlich mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?“
Nach aktuellem Stand wird für viele Kunden die Möglichkeit geschaffen werden, aus bestehenden Riester-Lösungen in die neue Förderwelt zu wechseln, sofern dies sinnvoll und gesetzlich vorgesehen ist.
Deshalb sollten bestehende Verträge aktuell nicht vorschnell gekündigt oder beendet werden.
Sollte ich bis 2027 warten?
Diese Frage höre ich aktuell besonders häufig.
Meine Antwort lautet ganz klar: Nein.
Wer heute mit seiner Altersvorsorge beginnt, verliert dadurch nicht automatisch die Chancen der Reform. Im Gegenteil. Wer bereits jetzt spart und Vermögen aufbaut, profitiert vom wichtigsten Faktor beim langfristigen Vermögensaufbau: Zeit.
Gleichzeitig wird es aller Voraussicht nach möglich sein, später zu prüfen, ob ein Wechsel in die neue Förderwelt sinnvoll ist.
📞 Gerne halte ich Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden und prüfe gemeinsam mit Ihnen, welche Möglichkeiten bereits heute sinnvoll sind und welche Chancen die Altersvorsorgereform 2027 künftig für Sie eröffnen kann.